Pfarrei St. Laurentius Winterthur

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Die Marmorarbeiten von Albert Schilling

Der renommierte Künstler lebte in Zürich und Arlesheim. Er hat in unserer Kirche den Altar und den Taufstein, das Vortragskreuz hinter dem Priestersitz und den Tabernakel sowie die vier Weihwasserbecken gestaltet. Zum Altar und zum Taufstein seien ein paar erläuternde Gedanken gemacht.

Dreifaltigkeitssymbol

Der Blockaltar aus weissem Marmor hat auf seinen vier Seiten je ein Symbol und einen dazu passenden Schriftzug in lateinischer Sprache. Die Symbole sind hohl aus dem Marmor heraus gemeisselt, die Schriftzüge dunkelgrau eingelegt. Der Gemeinde zugewandt ist eine Schlaufe mit drei kreisförmigen Ausformungen. Sie ist unschwer als Dreifaltigkeitssymbol zu erkennen. Der zugehörige Text in dunkelgrauen Buchstaben ist in lateinischer Sprache geschrieben. Die deutsche Übersetzung ist der bekannte Lobpreis am Schluss des Hochgebetes:
„Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre.“ Diese Stirnseite des Altares ist also der Dreifaltigkeit geweiht.

Anfang des Vaterunsers

Die dem Priestersitz zugewandte Seite zeigt den brennenden Dornbusch, den wir aus der Mose-Geschichte kennen, und darunter die deutsche Übersetzung des Gottesnamens „Ich bin“, heute gern mit „Ich bin da für euch“ übersetzt. Das Schriftband, das dazugehört, ist der Anfang des Vaterunsers, wiederum in lateinischer Sprache. Hier die deutsche Übersetzung: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme“. Diese Seite des Altars ist also Gott-Vater gewidmet.

Kelch und Hostie

Die Schmalseite, welche zur Sakristeitür zeigt, zieren ein Kelch und eine Hostie, beides umfangen von zwei Kreisen. Wiederum der dazugehörige Text: „So oft ihr dies tut, tut es zu meinem Gedächtnis“, wieder in lateinischer Sprache, wie alle Teile des Schriftbandes, welches sich in einer eigenwilligen, aber sehr dekorativen Schrift um den oberen Teil des Altars zieht. Der Künstler hat dafür eine sehr kostbare Einlegearbeit gewählt. Diese dritte Seite ist Jesus Christus geweiht.

Widmung dem Heiligen Geist

Und schliesslich noch die vierte Seite zur Strasse hin. Sie zeigt Wellenlinien und darüber eine Feuerzunge. Das erinnert wohl an den Schöpfungsbericht, wo es heisst, dass der Geist Gottes über den Wassern der Urflut schwebte. Der dazugehörige Text, wieder in lateinischer Sprache, hier aber in deutscher Übersetzung wiedergegeben, lautet: „Komm heiligmachender ewiger Gott und segne dieses Opfer, das deinem heiligen Namen bereitet ist.“ Dieses Gebet zur Gabenbereitung wurde vor der Liturgie-Reform vom Priester still gesprochen. Heute ist es weggefallen. Diese letzte Seite des Altars ist also dem Heiligen Geist geweiht.

Mit seinen vier Seiten und den sehr schönen Marmorarbeiten sowie den zugehörigen Schriftzügen könnte unser Altar also als Dreifaltigkeitsaltar bezeichnet werden. Je eine Seite gilt dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist und die Vorderseite der Dreifaltigkeit in einem.

Dass auch der Taufstein auf die Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit verweist, ist selbstverständlich. Das Schriftband lautet hier (wieder in deutscher Übersetzung): „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Ergänzen müsste man wohl: „Ich taufe dich im Namen des...“ Dazu hat der Künstler in dunkelgrauer Einlegearbeit drei Symbole gesetzt: eine Hand für Gott-Vater, einen Fisch für Jesus Christus und eine Taube für den Heiligen Geist. Drei alte christliche Symbole.

Den Tabernakel zieren in Email-Arbeit ganz einfache Engelsgestalten und beim Vortragskreuz hinter dem Altar deuten grosse runde Öffnungen auf die Wundmale Christi hin.

Namhafter Künstler

Wie mit Ferdinand Gehr haben die Verantwortlichen auch mit Albert Schilling einen namhaften Künstler beigezogen, der zahlreiche Kirchen ausgestattet hat. Albert Schilling wurde 1904 in Zürich geboren und hat nach dem Gymnasium zuerst einige Semester Theologie studiert, bevor er sich der bildenden Kunst zuwandte. Mit seinem gekreuzigten Christus für den Andachtsraum der Landesausstellung 1939 in Zürich hat er für Aufsehen gesorgt. Seine Arbeiten für viele Kirchen wurzeln in der altchristlichen Symbolsprache. Er starb 1987 in Arlesheim.

Alles in allem gesprochen, dürfen wir wohl ohne Übertreibung behaupten, dass wir von der Architektur und von der Ausstattung her eine der schönsten Kirchen der Schweiz aus dem 20. Jahrhundert besitzen. Es lohnt sich, die verschiedenen beschriebenen Arbeiten einmal etwas genauer anzusehen.

Albert Mantel ehem. Pfarrer von St. Laurentius